Der Berg groovt/5
Auch diesmal habe ich mich wieder der Google-Suchwörter des Batz bemächtigt, um meine Geschichte weiter schreiben zu können.
Was bisher geschah: Ein zufälliges Treffen von Laurenz M. und Reinhold M. auf der Schneekoppe löst bei letzterem eine schwere Lebenskrise aus. Er versucht bei seinem Ex-Freund, Robert R. aus Erfurt Hilfe zu finden, was jedoch nicht ganz gelingt. Robert händigt Reinhold zwei Umschläge aus. Irritiert verlässt dieser seinen Freund. In den Umschlägen befinden sich Zettel. Auf dem einen befindet sich eine geheimnisvolle Botschaft. Auf dem Weg zum Bahnhof von Erfurt rettet Reinhold die Chinesin Mei Lin vor wütenden Damen des horizontalen Gewerbes, die eine Konkurrenz befürchten. Sie besteigen beide den Zug in Richtung Berge, Schneekoppe.
Der Zug fuhr mit quietschenden Rädern in den Bahnhof ein und stoppte. Reinhold erwachte jäh. Mei Lin, die kleine Chinesin, sah in aus ihren Mandelaugen sanft an: „Is glauben, wir haben Bahnhof verschlafen. Wir nicht ausgestiegen in Bahnhof, wo Schneekoppe zuhause ist. Is habe Recht?" Ihre Stimme klang lieblich. Sie gab sich große Mühe, das "R" zu splechen.
„Dammt" murmelte Reinhold. „Wo sind wir jetzt?". Da ertönte auch schon die Lautsprechdurchsage: „Hamburg Hauptbahnhof. Hamburg Hauptbahnhof." „Ach du dickes Ei" stöhnte Reinhold. „Was soll ich denn in Hamburg? Das ist doch eher was für Freddy oder Heidi Kabel." „Heidi wer?" wollte Mei wissen. „Lass gut sein. Kennst' du eh nicht. Komm, wir müssen hier raus." Er packte Mei bei der Hand, zerrte sie aus dem Abteil, aus dem Zug. „ Wir müssen den nächsten ICE nach München erreichen. Wenn schon nicht die Schneekoppe, dann eben die Alpen. Hauptsache, wir kommen in die Berge." Sie preschten auf den nächsten Bahnsteig. Wer den Hamburger Bahnhof kennt, weiss, was das heisst. Treppauf, Treppab. Wieder erreichten sie den Zug nur knapp. Und wieder ließen sie sich, völlig außer Atem, in die nächsten Sitze fallen. Es war fast ein Dejavu. Wie in Erfurt, wo sie vor den wütenden Weibern geflohen waren.
Reinhold hatte abermals einen hochroten Kopf. Er war nicht nur nicht mehr der Jüngste, sondern auch nicht mehr sehr gut durchtrainiert. In seiner linken Gesichtshälfte verspürte er einen Druck, sein Blut pulsierte in den Schläfen. Meis besorgter Blick traf ihn. „So kaputt habe ich mich lange nicht mehr gefühlt." dachte er. „Nicht mehr seit meinem Aufstieg über die drei Zinnen zum Hörnchen ohne Sauerstoffmaske." Nun gut, dass lag schon eine Weile zurück.
„Könntest du mir etwas zu trinken besorgen?" bat er Mei Lin. „Natürlich, sofort." antwortete sie, dankbar, nun auch endlich etwas für ihren Retter tun zu können. Sie wandte sich zum gehen.
In diesem Augenblick wurde die Abteiltür aufgerissen, und Mei wäre beinahe mit einem der beiden Männer, die dieses betreten wollten, zusammen geprallt. „Herrschaftszeiten, könn's den net aufpassen." Die Stimme kam Reinhold bekannt vor. Das ist doch…….natürlich, der Edmund, der Stoiber. „Ja Mei. Der Edi..." entfuhr es Reinhold. Mei schaute ihn erstaunt an. „Was soll ich, bitte?" „Nee, du bist nicht gemeint. Hol rasch was zu trinken, und bring was Essbares mit."
Mei verließ das Abteil, in das sich, hinter Stoiber, der zweite Mann gedrängt hatte. Reinhold erkannte ihn nicht sofort, da dieser statt seiner Latzhose eine Matrosenuniform trug. Peter Lustig. „Na so was, wo kommt's ihr denn her?" Reinhold verfiel augenblicklich in seine Mundart.
Stoiber und Lustig hatten inzwischen Platz genommen. Sie tauschten verstohlene Blicke aus, taten geheimnisvoll und wollten nicht so recht mit der Sprache herausrücken. In Reinhold Kopf ging jetzt so einiges durcheinander. Die beiden werden doch nicht..... Na ja, immerhin hat's bei Westerwelle ja auch gedauert, bis…... In diesem Moment fing Stoiber an zu erzählen: „Na, Reinhold, weil’s du bist. Aber versprich, dass du's keinem weiter tratscht." Reinhold nickte und kreuzte hinter seinem Rücken die Finger. „Der Peter und i, wir waren 14 Tage in am Internat bei die Scientologie."
Der verständnislose Blick Reinholds irrte von einem zu anderen. „ Wie, Scientologie? Was wollt's denn da?" „ Na ja, du weißt ja, der Peter mag keine Kinder, und ich möchte Kanzler werden, und da haben wir gedacht.....
In diesem Moment öffnete sich die Tür, und Mei Lin mit Getränken und dem Essen, Hamburger für alle, trat ein. Reinhold reichte das Paket herum. „Laßt's euch gut schmecken. Edi, erzähl derweil weiter. "
Stoiber hatte bereits in den BigMäc gebissen. „ Unmpf meipft du, do ischt esch...." Peter Lustig unterbrach ihn. „Du Ed, ...." Stoiber mumpfelte mit vollem Mund weiter. „.... do isch esch mipfig....." „Ed, du hast da was am Mundwinkel" unterbrach er ihn erneut. „Hmpf?" „Am Mundwinkel, Ed. Ein Pimentkorn, Ed." Stoiber wischte mit dem Handrücken über seinen Mund. Das Pimentkorn kugelte über seine Brust, über den Bauch auf den Abteilboden und rollte dort langsam aus. Aller Augen folgten ihm gebannt.
Peter Lustig strich seinen Bart glatt und fragte: „Wisst ihr denn überhaupt, wo die Pimentkörner herkommen und wozu sie gebraucht werden?" Reinhold und Mei Lin schüttelten den Kopf. Stoiber guckte ausgesprochen angepisst, weil er sich unterbrochen fühlte, und eigentlich weiter vom Internat berichteten wollte. Plötzlich schien sich niemand mehr dafür zu interessieren. „Also, meine Frau, die Muschi, tut's die Pimentkörner in die Suppen als Gewürz. Und wachsen tun's da, wo auch der Pfeffer wächst. Basta." Basta war immer gut. Hatte der Gerd auch schon gesagt. Und der war Kanzler geworden.
Peter Lustig schaute jetzt seinerseits etwas pikiert, da Stoiber ihm die Schau gestohlen hatte. „Der ist genauso widerlich wie Kinder" schoss es ihm durch den Kopf. „Ed, du hast eine Art die Gespräche an dich zu reißen. Immer musst du dich in den Vordergrund drängen. Kein Wunder, dass man dich aus dem Internat heimgeschickt hat." platzte aus ihm heraus. Stoiber reagierte sofort: „Und du, was ist mit dir? Warum bist du durchgefallen? Weil's die Leit' genervt hast mit deinem blöden C64-Spiel. Was glaubst du, warum du beim Gruppenspiel "Hitler, der Diktator und ich.... " immer als letzter gewählt worden bist, hä?" Lustig keifte zurück. „Und du mit deinem Schlagermuff von den Hellwigs. Damit hast du doch alle......"
„Das ist kein Schlagermuff, das ist Volksmusik. Aus den Bergen.“
Reinhold und Mei hatten den Disput sprachlos verfolgt. Bei dem Wort "Bergen" war Reinhold nahezu elektrisiert. Just fiel ihm wieder ein, weshalb er überhaupt in dem Zug nach München saß. Er wollte in die Berge. Zurück zu seinen Wurzeln.
Mei Lin versuchte ihrerseits, die Situation zu entschärfen: „Is weiss ein Rätsel. Ein altes chinesisches Rätsel. Was ist schwarz, hat vier Beine und miese Laune?".
Die drei Männer blickten sich verblüfft an. Stoiber prustete los: „Eine Katze, auf die man drauf getreten hat." Peter Lustig schüttelte sich vor Lachen, schlug sich vergnügt auf die Schenkel. „Ja, genau. Und beim Drauftreten hat's "Ditsch" gemacht. Kinder, ist das lustig."
Reinhold war abermals elektrisiert. "Ditsch" Das war das Wort, dessen Lösung ihm die Erleuchtung bringen sollte. Er konnte es nicht glauben. So banal konnte die Lösung nicht sein.
Der Zug rollte inzwischen in den Hauptbahnhof München ein. Die vier verabschiedeten sich. Mei Lin und Reinhold suchten sich eine Bleibe, eine kleine, nicht zu teure Pension. Jeder ging auf sein Zimmer. Reinhold sank auf sein Bett. Starke Erschöpfung, Benommenheit, wie nach leichtem joggen, machte sich breit. Wie so oft in letzter Zeit nach körperlicher Anstrengung. Durch seinen Kopf schwirrten die Gedanken. Wirr. Was bedeutet "Ditsch"? Was ist schwarz, hat vier Beine und miese Laune? Was wollten Stoiber und Lustig bei den Scientologen. Was, was, was........
Ganz hinten in seinem Kopf ertönte eine kleine Melodie: "Schni, Schna, Schnappi, mach dich nackig und komm mit mir nach Haus."
In diesem Augenblick klopfte es leise an seine Zimmertür.


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