8.28.2005

Seglerlatein

Seit Wochen waren wir unterwegs. Tag für Tag nichts als Wasser um uns herum. Die Sonne stach vom Himmel. Flaute.

Gleißend reflektierte sie auf der Wasseroberfläche. Die Augen schmerzten, die Zunge klebte am Gaumen. Unsere letzte Flasche Wasser war fast leer. Wir stierten vor uns hin. Hofften auf Wind. Auf Land, endlich Land am Horizont.

Plötzlich sahen wir es. Ein kleiner Punkt zunächst, der er sich rasch näherte, größer und größer wurde. Ein Schiff hielt auf uns zu. Mühsam entzifferten wir: Cap Anamur. Fragend schauten wir uns an.

Da erscholl ein Ruf zu uns herüber: "Aloha, wer seid ihr, woher kommt ihr her? Aus welchem Land seid ihr geflohen?" Noch bevor wir antworten konnten, wurde ein Schlauchboot ausgesetzt, nahm Kurs auf uns zu. " Wir helfen euch."

Verständnislos tauschten wir die Blicke. Doch es war schon zu spät. Das Schlauchboot ging längsseits. Starke, groß gewachsene Männer stiegen an Bord. Hilfreiche Hände zerrten uns von selbigem. Wir landeten im Schlauchboot, versuchten zu erklären.

Die Helfer schauten aus gütigen Augen milde an, lächelten sanft. "Ja, ja, wir verstehen. Ihr seid aus Hannover, und wollt Urlaub machen. Das sagen sie alle. Ihr kommt gerade aus Juelsminde? Ja, ja die Sonne. Wer sind eure Schleuser? Wie, ihr seid zu zweit? Ja, ja die Sonne. Nur keinen verraten. Ihr wollt nach Aarhus? Weil da ein Aldi ist, und ihr Wasser kaufen wollt. Ja, ja, alles klar. Aber keine Sorge, wir helfen euch."

Verzweifelt und fassungslos sahen wir, wie unser Segelboot langsam am Horizont verschwand.

Schlagzeile am nächsten Tag im Berlinske Expressen:" Rettung von Boat People vor Aarhus, Däenmark.. Die beiden verzweifelten Menschen stammeltenn immer wieder nur: "Aldi, Aldi." und "segeln, segeln". Sie wurden vorübergehend in die Psychiatrische Klinik eingewiesen und stehen noch unter Schock.